Lässt du deine Gefühle fließen?

Wenn du ein gesundes und freudvolles Leben führen möchtest, kommst du nicht darum herum, deine Gefühle wirklich zu fühlen. Alle Gefühle gehören zum Leben dazu, ob du sie nun magst oder nicht. Mit diesem Artikel möchte ich dich dazu inspirieren, dem Thema “Gefühle zulasssen” den Raum in dir zu geben, den es braucht, um Ganzheit zu erfahren und Glück und Frieden zu erleben.


Der Ursprung fast aller  physischen und psychischen Probleme liegt darin, dass wir unsere Gefühle unterdrücken, verdrängen und bewerten. Gefühle in all ihren Facetten gehören aber zum Leben dazu, sie machen es saftig und lebendig. Wenn du deine Gefühle unterdrückst, unterdrückst du das Leben, dass sich in dir entfalten möchte und staust damit deine Lebensenergie.  Das kannst du leicht daran feststellen, dass du automatisch deinen Atem unterdrückst (also nicht mehr tief und fließend atmest), wenn du etwas nicht fühlen möchtest. Selbst Wissenschaftler haben bestätigt, dass du deine Fähigkeit, positive Gefühle wie Freude zu fühlen, verlierst, wenn du negative Gefühle wie Trauer oder Wut unterdrückst. Entweder lernst du also dein Leben zu lieben oder du verpasst dein halbes Leben – du verpasst dich selbst. Du entfernst dich nämlich immer mehr von dir selbst, wenn du deine Gefühle “weg machst “. Und je mehr du deine Gefühle zulässt, desto mehr kommst du wieder bei dir selbst an.  So einfach ist das. Und ich kann dir aus eigener Erfahrung bestätigen, dass es so ist. Ich selbst stecke seit Jahren in diesem Annäherungs-Prozess an meine Gefühle, da ich, was gewisse Aspekte meines Lebens angeht, eine Meisterin im “Gefühleverdrängen” war und die Auswirkungen sehr gut beobachtet habe. Aus dieser Erfahrung heraus habe ich meine Yoga des Herzens – Seminare entwickelt.

 

Blockaden durch unterdrückte Gefühle

In traumatischen Situationen mag es durchaus eine lebensrettende Reaktion sein, dich von deinen Gefühlen abzuspalten, da du das Erlebte vielleicht nicht auf einmal verarbeiten könntest. Zurück bleibt aber immer eine Blockade in deinem Körper-Energiesystem, die du dann später Schritt für Schritt wieder auflösen kannst (und solltest!). Auch in der Meditation oder beim Yoga können diese Energien aus der Vergangenheit  “hoch kommen” und sich befreien, wenn sie reif sind. Das ist gut so und sehr heilsam. Nun ist es leider so, dass wir uns oft schon in kleinsten Situationen “zu machen”, also die Gefühlsenergien blockieren und das Fühlen erst wieder erlernen müssen.

Viele haben schon als Kind gelernt, ihre Gefühle zu unterdrücken. Wenn unsere Eltern z.B. alles dafür getan haben, dass wir aufhören zu weinen oder Mitschüler uns als “Weichei” oder “Heulsuse” beschimpft haben – oder wir es gar nicht erst soweit kommen lassen wollten. Männern fällt es oft besonders schwer zu fühlen, denn ihre Erziehung und die Gesellschaft haben sie anderes gelehrt. Dabei zeugt es eigentlich von einer großen inneren Stärke, seine Gefühle zuzulassen, fließen zu lassen und dazu zu stehen. Wirklich starke Männer (und Frauen) sind jene, die ein hohes Bewusstsein dafür haben, wer sie sind und was sie fühlen – und zu sich stehen.

Es ist  für unsere körperliche, seelische und geistige Gesundheit wichtig, dass wir unsere Gefühle zulassen, damit sich die damit verbundene Energie nicht staut und sich dann in unadäquater Weise Befreiung verschaffen muss bzw. sich in Krankheiten manifestiert.

 

Wahrnehmen, ohne zu bewerten

Es ist essenziell, dass wir lernen, Gefühle ohne jede Bewertung oder Erwartung und ohne Widerstand wahrzunehmen. Nicht-Bewerten heißt, dass wir nicht ein “schlechtes” Gefühl wie Hass, Trauer, Neid etc. wegschieben und verdrängen, ebensowenig wie wir an “guten” Gefühlen wie Freude, Heiterkeit, Verliebtheit etc. festhalten sollten.
Wenn Gefühle vollständig wahrgenommen werden, lösen sie sich wieder auf. Wenn wir sie nicht vollständig wahrnehmen, setzen sie sich irgendwo fest und blockieren dort in irgendeiner Weise unser Leben. Dies ist wohl auch die Hauptursache für Depressionen. Wenn du die schmerzhaften Gefühle einfach weg schiebst, treiben sie unterbewusst ihr Unwesen. Wenn du sie ins Licht deines Bewusstseins holst, werden sie durch deine liebevolle Annahme transformiert. Deine ungeliebten Gefühle liebevoll anzunehmen heißt nicht, dass du mit ihnen dein ganzes Leben verbringen willst. Es heißt nur, dass du akzeptierst, dass sie in diesem Moment da sind. Es ist so, als würdest du mit deinem Gefühl eine Tasse Tee trinken, um es kennezulernen. Vielleicht kennst du den Spruch “Setz dich mit deiner Angst an den Tisch und trink mit ihr zusammen einen Tee”. So solltest du mit deiner Angst und allen anderen Gefühlen umgehen. Du darfst dich sogar wirklich mit deinen Gefühlen unterhalten und herausfinden, warum sie da sind  – so lange du dabei versuchst, dich noch besser in das Gefühl einzufühlen.

 

Gefühle einfach fühlen

Eine Frage solltest du dir im Laufe eines Tages immer mal wieder stellen:

Wie fühle ich mich jetzt gerade?

Die Antwort darauf solltest du eben nicht in deinem Verstand suchen, sondern die Frage quasi in dein Herz sinken lassen und mit deinem Herzen erforschen.

Immer wenn es dir schwerfällt, wahrzunehmen, was du gerade fühlst, lege deine Hände auf dein Herz und spüre deinen Atem.
Wenn nun unangenehme Gefühle, oft verbunden mit Bildern und Erinnerungen in dir hoch kommen, kannst du davon ausgehen, dass sie reif sind, von dir gesehen zu werden und du auch mit ihnen umgehen kannst. Wenn du aber das Gefühl hast, nicht mit ihnen klar zu kommen, hol dir bitte Unterstützung! Der Umgang mit Gefühlen ist nämlich sehr individuell und es ist schwer, diesbezüglich allgemeingültige Ratschläge zu geben, zumal es oft einer individuellen liebevollen   “Betreuung” durch Vertrauenspersonen bedarf. Es ist manchmal nötig, dass ein tiefliegender Schmerz nicht nur von dir selbst, sondern auch von einem anderen Menschen gesehen wird. Dies kann in einer aktuellen schwierigen Situationen ein guter Freund sein oder bei einer Traumabewältigung aus der Vergangenheit ein guter Therapeut.

Meditation kann dich lehren, auf gesunde Weise mit deinen Gefühlen in Kontakt zu kommen, denn sie lehrt dich ein wertfreies Wahrnehmen. In einer Meditation über deine Gefühle kannst du dir das Gefühl genau anschauen, hineinspüren und fühlen. Du kannst deine Reaktion auf das Gefühl in bestimmten Körperbereichen lokalisieren und genau beobachten, was mit deiner Atmung geschieht. Je geübter du im Meditieren bist, desto eher schaffst du es,  deinen Widerstand und deine urteilenden und analysierenden Gedanken loszulassen und einfach nur zu fühlen. Die bewusste Verbindung mit deinem Atem ist dabei sehr wichtig und auch ein großer Helfer und Heiler.

Natürlich sollten wir nicht nur dann auf unsere Gefühle achten, wenn wir meditieren. Es geht darum, dass wir auch im Alltag mit uns selbst in Verbindung sind und als fühlende Wesen agieren.

 

Gefühle beobachten versus in Gefühle eintauchen

Nun scheint es zwei Extreme von Menschen zu geben. Die einen sind gefangen in ihren Gedanken und haben nur wenig bis keinen Kontakt zu ihren Gefühlen. Und die anderen “zerfließen” geradezu in ihren subjektiven Gefühlswelten, ohne einen klaren Gedanken fassen zu können. Erstere können sich ruhig trauen, in ihren “Gefühlspool” hineinzuspringen und ein bisschen darin abzutauchen. Das macht ihnen allerdings große Angst und erfordert Mut. Eine Angst, die für die andere Gruppe berechtigt ist. Diejenigen, die sowieso schon sehr in ihren Gefühlen untergehen, sollten sich lieber an den Rand des Pools setzen, ihn beobachten und mal einen Finger hineintauchen.
Es geht letztendlich darum, gleichzeitig das Gefühl vollständig(!) zu fühlen und der Beobachter zu sein. Die einen müssen mehr das Eintauchen lernen, die anderen mehr das Beobachten – für die meisten von uns bedeutet das erst mal ein hin-und-herpendeln von beobachten und fühlen. Der Supertrick ist tatsächlich die Fokussierung auf deine Atmung. Dein Atem ist dein Anker, der dich zurückholt, falls du zu tief getaucht bist, der dir aber auch hilft, die Gefühle zuzulassen und nicht zu blockieren. Wichtig ist auch eine gute Erdung, damit du nicht von deinen Gefühlen komplett überwältigt und umgeworfen wirst.

 

Gefühle befreien

Oft kannst du deine Gefühle mit deinem Atem, durch Entspannung und hineinspüren befreien. Dein Körper ist sehr weise und wenn du es zulässt, hilft er dir, unangenehme Gefühle loszulassen, indem er sie entlastet. Das nennt man dann Entlastungreaktion. Das kann z.B. ein Zittern, Zucken, Schütteln, Aufatmen oder Gähnen sein. Wenn du das nicht unterdrückst, befreist du dein ganzes System von Blockaden, die dich in unliebsamen Gefühlen gefangen halten. Tiere machen uns das wunderbar vor: Oft schütteln sie sich einfach, wenn sie einen Schock erlitten haben und alles ist wieder gut.

Manchmal wird es auch so sein, dass die Erlösung deiner Gefühle mehr braucht, als nur das stille Beobachten in der Meditation. Lass die Gefühle sich ruhig ausdrücken (z.B. durch Weinen, Schreien oder auf ein Kissen hauen – bitte immer ohne andere zu verletzen). Es gibt einige Heilungstechniken, die du auch alleine wunderbar hinzunehmen kannst und ich werde hier auf om-site.com einige davon vorstellen, die ich selbst immer wieder nutze. Gefühle müssen gefühlt werden, ob mit oder ohne Meditation. Und oft braucht es dafür einen weiteren Zeugen. Es gibt heutzutage einige gute Methoden, die dir helfen, deine angestauten Gefühle zu befreien, wie z.B. Re-evaluation counseling, die Grinberg-Methode und alle möglichen Therapieformen. Sehr zu schätzen gelernt habe ich auch Redestabkreise, in denen man seine wahrhaftigen Gefühle von Herz-zu-Herz mit-teilt. Die liebevolle Aufmerksamkeit unserer Mitmenschen wirkt sehr unterstützend, um unsere Gefühle wirklich zu fühlen.

Du darfst dir deine Gefühle erlauben. Sei mutig und fühle. Du hast vielleicht Angst dich mit deinen wahren Gefühlen zu zeigen, aber Tatsache ist, dass du andere Menschen tief berührst, wenn du ihnen zeigst, was du fühlst. Die Menschen, die gut für dich sind, werden es dir herzlich danken.

Im Yoga des Herzens verbindest du dich übrigens zutiefst mit deinen Gefühlen und öffnest dadurch ein Herz mehr und mehr.

Namasté!

 

 

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