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Freigeistiges Denken – Freiraum schaffen für eine bessere Welt

Befreite Menschen braucht die Welt!

Die Erde braucht mehr Menschen, die freigeistig denken. Menschen, deren Gedanken frei, hoch und weit sind, anstatt eng und starr. Menschen, die sich nicht manipulieren lassen, sondern ihren eigenen Weg gehen und eine hohe Unterscheidungsfähigkeit besitzen. Wenn wir uns eine bessere Welt wünschen, müssen wir in uns selbst damit beginnen.

Viveka

Ein Ziel von Yoga ist es, eine hohe Unterscheidungsfähigkeit zu erlangen: Viveka. Viveka bedeutet, die Dinge nach ihrem wahren Wesen zu unterscheiden, ohne sie zu bewerten. Das ist einfacher gesagt als getan. Denn das beinhaltet zum Beispiel, dass du nicht deine eigenen ungeliebten Anteile auf andere projezierst und auch nicht verdrängst. Und es bedeutet, dass du erkennst, ob Wünsche aus deinem Ego entspringen oder aus deinem wahren Selbst.

Wenn man sich in der Welt umschaut, sieht man kaum Menschen, die frei unterscheiden. Alle beharren auf ihren beschränkten Blickwinkeln und Meinungen und bekämpfen sich gegenseitig. Besonders bekämpfen sie das in anderen, was sie bei sich selbst nicht sehen wollen.

Für viele ist es kaum möglich, zu unterscheiden, was richtig und falsch ist und die Herausforderungen der Politik sind enorm. Es ist nicht leicht, die Wahrheit von der Lüge zu unterscheiden, aber mit einem fühlenden Herzen und befreiten Geist ist es viel leichter.

Sobald jedoch jemand auf seiner subjektiven Wahrheit als die Alleingültige beharrt (leider tun genau das viele spirituelle und religiöse Gruppen), ist er schon wieder der Lüge verfallen. Die Wahrheit lässt frei, die Wahrheit liebt. Damit sind wir allerdings schon wieder beim Thema satya (Wahrhaftigkeit), das ich in diesem Artikel behandle. Weiter unten erkläre ich dir, wie du es schaffst, geistigen Freiraum in dir zu schaffen.

Wie sähe die Welt wohl aus, wenn die Menschen eigenverantwortlich ein freigeistiges Denken mit einem offenen Herzen und Unterscheidungkraft kultivieren würden?

Ich glaube, dann würden immer mehr Menschen zu ihrer vollen Größe erwachen und die Liebe auf diesem Planeten stärken. Sie hätten kein Interesse mehr an Konkurrenzgedanken, an Gewalt und ihrer eigenen Bereicherung. Denn sie würden begreifen, dass es wirkliche Freiheit nur gibt, wenn wir gemeinsam frei sind und dafür sorgen, dass es allen gut geht – und nicht nur ein paar wenigen Menschen auf der Welt.

Jeder einzelne Mensch, der zu mehr Bewusstsein erwacht, zählt!

Das beeinflusste Denken

Die Konditionierungen durch Erziehung und den kulturellen Raum in dem wir aufgewachsen sind, geben uns zwar einen gewissen Halt, müssen aber irgendwann in Frage gestellt werden, um sich von vorgegebenen Grenzen zu befreien.

Festgefahrene Meinungen und Gedankenmuster – oft auf Angst begründet – führen zu festgefahrenen Reaktionen, die die Menschen trennen, anstatt sie zu vereinen.

Wenn wir nicht genau hinschauen, hinterfragen und mit unserem Herzen hinfühlen, geschieht es leicht, dass wir von den Meinungen anderer Menschen und den Medien überrannt werden.  Es ist ja auch schön einfach, sich nicht selbst Gedanken machen zu müssen. Umso wichtiger ist es, sich in einem bewussten und freigeistigen Denken zu üben. Dazu gehört, sich die eigenen Überzeugungen bewusst zu machen und herauszufinden, ob es wirklich die eigenen sind.

Wie der Verstand funktioniert

Der Verstand ist ein wundervolles ordnendes und lernendes Organ, das Klarheit schafft. Er macht gerne Ausschnitte vom Gesamtbild einer Sache, um sie besser zu verstehen. Er vernetzt unser Wissen und erweitert es durch neue Erkenntnisse.

Eine Gefahr in dem scharf trennenden Verstand, besteht darin, sich ein Weltbild zuverschaffen, dass nicht das große Ganze sieht.

Der Verstand kann sich nämlich nur schwer in ein Nicht-Wissen hineinentspannen. Und je höher wir blicken, desto mehr begreifen wir, das wir niemals den vollen Überblick haben werden.

Das ist nicht im Sinne des Verstandes, der lieber alles verkleinert, um es genau zu erforschen. Was ja auch eine wunderbare Gabe ist, wenn man am Ende nicht vergisst, alles wieder miteinander zu verbinden.

Manchmal ist der Verstand auch mit sehr viel unnützem (Klein-) Zeug beschäftigt, einfach weil du ihm keine höhere Aufgabe gibst und ihn nicht in eine bestimmte Richtung lenkst. Vor lauter Unterforderung beschäftigt er sich dann mit Nichtigkeiten und macht dir ein schlechtes Lebensgefühl.

Mit buddhi über den Tellerrand hinaus schauen

Wir müssen also unseren Verstand dazu animieren, größer zu denken und freier zu werden. Das nennt man dann im allgemeinen Sprachgebrauch „über den eigenen Tellerrand hinausschauen“. Wenn der Verstand von einem freigeistigen Menschen benutzt wird, kann er der höheren Vernunft und dem Herzen dienen und das große Ganze miteinbeziehen. Er kann sich zugunsten dieser höheren Intelligenz zurückziehen und sich für intuitive und transpersonale Erkenntnisse öffnen. Erst wenn Herz und Verstand Hand in Hand gehen, ist eine Herzöffnung möglich. Dann kommen Körper, Geist und Seele in Einklang.

Im Yoga gibt es sozusagen ein „geistiges Organ“ bzw. eine sehr hohe Ebene unseres Seins namens buddhi. Buddhi ist unser Bewusstes Sein. Ein Bewusstsein, das sehr nah an der Quelle und damit auch sehr frei ist. Wenn wir mit buddhi statt nur mit dem Verstand denken, bewegen wir uns auf einer hohen Ebene von Intuition, Erkenntnis und Unterscheidungkraft. Es ist eine Art von Denken, die nichts mit unserem Gehirn zu tun hat. Es ist ein ganz freies, weites Denken. Durch diese höhere Intelligenz können wir die Unterscheidungsfähigkeit viveka erlangen. Als Yogis versuchen wir also, eher buddhi als nur unseren begrenzten Verstand zu benutzen.

Doch dort hinzukommen ist gar nicht so leicht, denn es gibt einige Grenzen zu sprengen und unsere stetig plappernden Gedanken – unseren Monkeymind – zu beruhigen.

Freiheit durch Meditation

In Patanjalis Yoga Sutra* steht „yogas citta nirodha“ –  „Yoga ist das Zur-Ruhe-Kommen der kreisenden Bewegungen des Gedanken“. Der Yogaweg ist also im Grunde der Weg der  Meditation.

Nur durch Meditation können wir die Bewegungen unserer Gedanken erkennen. Nur in der Stille werden wir uns der kreisenden Gedankenmuster bewusst und können von oben auf sie blicken.  Meditation ist bewusstes Gewahrsein und in diesem bewussten Gewahrsein können wir zu höheren Erkenntnissen und zu einer inneren Freiheit gelangen.

Meditation führt uns also  zur Freigeistigkeit. Dies habe ich bereits in dem Artikel Gedanken-Freiheit beschrieben.
Meditieren ist viel einfacher, als viele denken. Dieser Mönch erklärt es auf sehr erfrischende Weise:

Eine Meditationsanleitung, die dich durch Achtsamkeit ins Jetzt und zu höheren Erkenntnissen auf allen Ebenen führt, bekommst du übrigens hier.

Begrenzende Gedanken im Alltag loslassen

Durch das regelmäßige Meditieren wirst du automatisch freigeistiger, aber wenn du wirklich frei werden möchtest, musst du auch im Alltag achtsamer werden, was du denkst. Die Praxis in der Stille und die im Alltag gehören zusammen.

Achte im Alltag darauf, ob deine Gedanken beengt und starr oder frei, groß und weit sind. Es ist viel mehr möglich, als du denkst. Nur deine Gedanken begrenzen dich und dein Leben. Oft sind es tiefsitzende Glaubenssätze und es braucht eine Weile, um sie zu erkennen und dann loszulassen. Aber wenn du ein befreites Leben leben möchtest, kommst du nicht drumherum, dich mit deinen Gedankenmustern auseinanderzusetzen.

Diese begrenzenden Gedanken beginnen oft mit „ich muss…“, „ich darf nicht…“, „ich kann nicht…“ oder beinhalten Glaubenssätze wie „keiner liebt mich“, „das Leben ist hart und ungerecht“ oder „ich bin nicht gut genug“. Diese Gedanken begrenzen dich auf dein kleines Ego und halten dich davon ab, die unermessliche Größe und Perfektion deines freien Geistes zu erleben.  Dabei sind es doch deine Gedanken, die dein Leben erschaffen!

Geistigen Freiraum schaffen

Ich nehme es gerne mit Sokrates: Ich weiss, dass ich nichts weiss. Das macht mich erstmal frei davon, überhaupt eine Meinung haben zu müssen. Da entsteht ein freier Raum und ich kann schauen, was in diesem Raum auftaucht – ein freies Wissen und manchmal eine tiefere Erkenntnis.

Ich nehme die Tatsache an, dass ich als Mensch niemals den vollen Überblick über eine Sache haben kann. Ich kann nur für mich selbst entscheiden, den Weg der Wahrheit zu gehen – so, wie ich sie im Herzen fühle –  und darauf hoffen, dass auch andere genau in sich hineinfühlen. Und dann geht es nur noch darum, sich nicht begrenzen zu lassen – nicht vom eigenen Verstand und von niemand anderem.

Deinem Verstand kannst du mit offenen Fragen ein Schnippchen schlagen. Dein Verstand liebt es, Wege zu finden und du gibst ihm richtig Zunder, wenn du Fragen stellst wie „Wenn ich die Lösung für dieses Problem wüsste, wie sähe sie aus?“ oder „was ist noch möglich?“. Damit hältst du nicht an Zweifeln fest, sondern gibst Raum für das, was du noch nicht erkennen kannst. Wenn du einen geistigen Freiraum zur Verfügung stellst, kann das Wissen aus dem Universum in dich fliessen. Es ist leichter als du denkst ;-).

Afformationen statt Affirmationen

Um deinen Geist zu weiten, gibt es einfache Techniken, wie eben offene Fragen oder auch Afformationen. Affirmationen wirken manchmal nicht, da sie viel Raum für Zweifel lassen. Du kannst immer an allem Zweifeln, denn das Gegenteil einer bestimmten Überzeugung ist meistens genauso wahr. Wann können wir uns schon mal einer Sache zu 100% sicher sein?

Viel besser ist es, sich auf die Seite der Wahrheit zu fokussieren, die man stärken möchte und zu fragen „warum ist es /bin ich eigentlich so…(Positiv-Fokus!). Also z.B. „Warum bin ich eigentlich so liebenswert?“.

Dein Verstand wird dann alles daran setzen, dir so viele Gründe wie möglich zu verschaffen, warum du so liebenswert bist! Und darum wird dein Leben dir diese Liebe für dich mehr und mehr spiegeln. Du wirst empfänglicher für die Liebe, die immer und überall sowieso da ist.

Probiere es aus – sofort und wenn du dem nächsten Menschen begegnest – was verändert sich?

Freigeistiges Denken durch Vereinigung von Herz und Verstand

Ein freigeistiges Denken unterstützt den Weg des Herzens. Dein Leben wird freier und glücklicher, je mehr Freiraum du deinen Gedanken lässt und lernst, dein Herz zu weiten.

Wenn Herz und Verstand Hand in Hand durch´s Leben gehen, wird das Leben geradezu magisch einfach. Die zwei sind nämlich füreinander geschaffen und können gemeinsam Großes erreichen. Wenn der Verstand seinen Widerstand gegen das Herz aufgibt und sich das Herz der Intelligenz des Verstandes bedient, bist du wirklich frei.

Du hast dann eine Instanz in dir, der du vertrauen kannst und von der du dich leiten lassen kannst – unabhängig von den Meinungen und Ängsten deiner Umgebung. Und damit befreist du ein stückweit die Menschheit aus Angst, Gewalt und Abtrennung. Du bist ein Teil der Menschheit und die Erde braucht dich und dein freigeistiges Wirken in der Welt.

Danke, dass es dich gibt!

Namasté!

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