Viele Yogaübende kennen das Gefühl:
Eine Asana fühlt sich schwer, statisch oder kraftzehrend an. Der Atem fließt nicht mehr frei, die Gelenke fühlen sich belastet an, und die Freude an der Haltung schwindet.

Oft liegt das Problem nicht an mangelnder Kraft oder Beweglichkeit – sondern daran, wie wir Spannung im Körper organisieren. Genau hier kommt das Prinzip der tensegralen Schwebespannung ins Spiel.

Lies gerne weiter oder schau dir gleich das Video am Ende des Artikels an…

Was bedeutet tensegrale Schwebespannung?

Der Begriff Tensegrity stammt aus der Architektur. Er beschreibt Konstruktionen, bei denen stabile Elemente (z. B. Stäbe) nicht direkt aufeinander liegen, sondern durch elastische Zugverbindungen (z. B. Seile) in Position gehalten werden.

                      © Creative Commons, Henk Monster

Das Besondere:

Die Stäbe berühren sich nicht.

Die gesamte Struktur hält durch ausgewogene Zug- und Druckkräfte

Selbst große Bauwerke wirken dadurch leicht, stabil und flexibel zugleich

Übertragen auf den menschlichen Körper bedeutet das:
Unsere Knochen entsprechen den Stäben, unsere Faszien und Muskeln den Zugbändern. Wir bleiben nur aufrecht und beweglich, weil dieses Netzwerk in Balance ist.

Warum isolierte Muskelarbeit Energie kostet

Viele praktizieren Yoga, indem sie einzelne Muskeln gezielt anspannen – z. B. den Beckenboden isoliert. Das führt oft zu:

  • Überlastung einzelner Strukturen
  • Energieverlust durch unnötige Muskelarbeit
  • Verspannungen, die Beweglichkeit und Atemfreiheit einschränken

Ebenso problematisch: den Beckenboden gar nicht zu aktivieren. Dann übernehmen andere Muskelgruppen Arbeit, die sie gar nicht leisten sollten – Gelenke und Wirbelsäule werden stärker belastet.

Die Rolle des Beckenbodens in der Schwebespannung

Der Beckenboden ist das stabile Zentrum des Körpers und Teil der tiefen Frontallinie – einer myofaszialen Verbindung, die von den Füßen bis zum Kopf reicht.

Wenn wir den Beckenboden integriert in die Ausrichtung einbinden, geschieht Folgendes:

  • Gelenke, vor allem Hüftgelenke, werden entlastet
  • Die Wirbelsäule gewinnt Raum und Beweglichkeit
  • Die Asanas fühlen sich leichter, freier und stabiler an

Beckenboden-Yoga nutzt dieses Prinzip, um nicht nur Kraft, sondern auch innere Stabilität, Erdung und Leichtigkeit zu fördern.

Faszienarbeit und ganzheitliche Aufspannung

Faszien sind elastische Bindegewebsstrukturen, die Muskeln, Organe und Knochen miteinander verbinden.
In der tensegralen Schwebespannung arbeiten Faszien und Muskeln gemeinsam – wie ein dreidimensionales Netz, das den Körper trägt.

Im Beckenboden-Yoga arbeiten wir aber nicht nur mit Tensegrity, sondern auch spiraldynamischen Prinzipien. Dadurch erhalten wir eine wunderbar leichte, freie 3D-Schwebespannung mit dem Beckenboden als Kraftzentrum.

Wird das myofasziale Netz gleichmäßig aufgespannt, geschieht Folgendes:

  • Es entstehen Zug- und Gegenzugkräfte, die viel Raum in den Gelenken schaffen.
  • Die Belastung wird auf viele Strukturen verteilt.
  • Bewegungen fühlen sich federnd und leicht an.

Das ist die Basis einer Gelenke- und Wirbelsäulenschonenden Asanapraxis.

Eine ungleichmäßige Spannung dagegen führt zu Fehlbelastungen – oft spürbar als Schmerz an einer ganz anderen Stelle als der eigentlichen Ursache.

Praxis-Tipps für mehr Leichtigkeit in Asanas

Du kannst die tensegrale Schwebespannung bewusst in deine Yogapraxis integrieren:

Beckenboden sanft integrieren

Verbinde den Beckenboden über Steißbein, Sitzhöcker und/oder Damm muskulär mit den Füßen (besonders äußerer Ferse und Großzehballen) und auch mit deiner Axis (2. Halswirbel). Detaillierter lernst du das in meinem großen Beckenboden-Yoga-Onlinekurs.

Raum in den Gelenken schaffen

Denke an „Weite“ zwischen den Knochen – vor allem in Hüften und Wirbelsäule. Zieh deine Extremitäten in die Länge. Spanne dich immer vom Zentrum (Beckenboden + Wirbelsäule) in die Weite auf.

Baue eine tensegrale Schwebespannung im Becken auf mit den folgenden 3 Punkten:

  1. Vordere Darmbeinstachel zueinander ziehen.
  2. Steißbein (und Kreuzbein) nach unten und vorne ziehen (der Damm steigt dabei nach oben!)
  3. Oberschenkel leicht nach außen rotieren (Kniescheiben zeigen Richtung 2. Zehenansatz)

Faszienketten aktivieren

Vergiss punktuelles Anspannen. Spanne dich über ganze Muskelketten von Fuß bis Kopf auf. Im Beckenboden-Yoga legen wir den Fokus auf die tiefe Frontallinie, die wie ein innerer Faszienschlauch einen dreidimensionalen Kern in unserem Körper bildet.

Vorteile für deine Yogapraxis

Wer dieses Prinzip verinnerlicht, spürt schnell:

  • Mehr Leichtigkeit in allen Asanas
  • Größere Stanbilität und Zentrierung
  • Besseren Gelenkschutz und Vorbeugung gegen Arthrose
  • Tieferes Körperbewusstsein und besserer Energiefluss
  • Längere Haltezeiten ohne Erschöpfung

Fazit: Wir praktizieren Yoga aus der Tiefe statt aus reiner Muskelkraft!

Tensegrale Schwebespannung ist mehr als eine Technik – sie ist ein völlig neuer Blick auf den eigenen Körper.
Mit Beckenboden-Yoga, bewusster Faszienarbeit und der Integration dieser Aufspannung kannst du nicht nur deine Asanas transformieren, sondern auch das Gefühl für deinen Körper im Alltag verändern.

Wenn du mehr über diese Prinzipien erfahren möchtest, empfehle ich dir, mein YouTube-Video „Mehr Leichtigkeit im Yoga durch tensegrale Ausrichtung“ anzusehen – und für eine wirklich tiefgehende Erfahrung meine Beckenboden-Yoga-Ausbildung zu entdecken.

 

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