Mit einem hohen und beständigen Energiefluss im Zentralkanal wirft dich nichts mehr so schnell um, du lässt dich nicht mehr von den peripheren Empfindungen und Bewegungen des Geistes hin- und herziehen, sondern findest zu einer stabilen Zentriertheit in dir selbst. Dadurch bist du weniger manipulierbar und lebst dein eigenes Leben, im Einklang mit Himmel und Erde.

Ist dir bewusst, dass du in dir selbst diesen Energiekanal hast, der dich energetisch mit der Erde und dem Himmel bzw. mit dem ganzen Universum verbindet? Dieser Haupt-Energiekanal befindet sich direkt in deiner Wirbelsäule und wird im Yoga Sushumna Nadi genannt. Im Taoismus ist er als Chong Mai bekannt. Mit wachsendem Bewusstsein für diesen Zentralkanal verstärkt sich dein emotionales und geistiges Gleichgewicht und du fühlst dich mehr in deiner Mitte. Dann bist du stark und flexibel in deiner vertikalen Achse und gut aufgehoben im Leben zwischen Himmel und Erde. Nach diesem Artikel wird dir auch klarer sein, warum es beim Meditieren wichtig ist, aufrecht und gerade zu sitzen.

Der Zentralkanal

Der Zentralkanal ist sowohl anatomisch in der Wissenschaft als auch esoterisch im Yoga und Taoismus bekannt, sicher auch in vielen schamanischen Traditionen. Hier ist mal wieder offensichtlich, dass Wissenschaft und Mystik sich nicht unbedingt widersprechen, sondern nur verschiedene Ebenen eines Ganzen aufzeigen.
Der physische, also anatomisch sichtbare Zentralkanal (canalis centralis) ist ein Hohlraum im Rückenmarkskanal, der durch die Wirbelsäule verläuft und ein Teil des Zentralnervensystems ist. Dieser fadendünne Kanal ist mit der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit ( Liquor cerebrospinalis) gefüllt, die sich ständig erneuert und unser Gehirn durchspült.

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Laut den Untersuchungen von G.H. Eggetsberger ist in diesem Zentralkanal sogar ein Energiefluss messbar (und durch Yogaübungen verstärkbar), der sich vom Beckenboden zum Gehirn bewegt und dort ungenutzte Areale aktiviert.

Umhüllt wird der Zentralkanal von dem kollagenen Bindegewebe (Faszie) der Dura Mater. Das ist sozusagen die Faszie des Nervensystems und Verspannungen können durch die aus dem Zentralkanal abgehenden Nerven auf den ganzen Körper wirken.

Interessant ist auch die wenig bekannte „Reißnersche Faser“ innerhalb des Zentralkanals. Laut den Forschungen von L.C. Wile wirkt sie wie ein „Starkstromkabel“ zwischen Basis der Wirbelsäule und Zirbeldrüse. Genauere Infos zu diesen und weiteren Forschungen findest du hier .

WirbelsäuleIm Yoga ist der Zentralkanal von großer Wichtigkeit, auf dessen energetische Bedeutung ich weiter unten eingehe. Hier nur kurz zum physischen Aspekt:  Yoga wirkt wunderbar auf den Zentralkanal, auf die Wirbelsäule, die Bandscheiben und Faszien. Seit ich Yoga mache bin ich sogar 1 cm gewachsen – ich habe mehr Länge in meiner Wirbelsäule geschaffen und dadurch auch mehr Raum für die Nervenstränge und Bandscheiben. Je nachdem, wie intensiv wir unseren Fokus darauf legen wirkt unsere Yogapraxis auf alle Strukturen des Zentralkanals. Wenn wir dabei (und überhaupt) genug trinken, reinigen wir auch wunderbar unseren darin enthaltenen Liquor, der wiederum unter anderem unsere Gehirnzellen reinigt (erst vor kurzem wurde das „Glymphatische System“ entdeckt).

 

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Sushumna, Ida und Pingala – die 3 wichtigsten Energiekanäle im Yoga

Der Zentralkanal existiert nicht nur auf der körperlich greifbaren Ebene inmitten der Wirbelsäule, sondern an gleicher Stelle auch in unserem Energiekörper als Hauptenergiekanal Sushumna Nadi zwischen Wurzel- und Kronenchakra (aslo zwischen Steißbein und Schädelkrone). Aus dem physischen Zentralkanal treten Nervenbahnen aus, aus dem energetischen Zentralkanal treten die Nadis aus, die unser gesamtes Körper-Energie-System versorgen.

In Sushumna befinden sich die Wurzeln der 7 Hauptchakren, sie werden also „durchspült“ und gestärkt von der aufsteigenden Energie der Kundalini-Shakti. Diese Bewusstseinsernergie strömt durch die Sushumna vom Wurzelchakra aus nach oben zum Kronenchakra, um dann wieder eine Ebene tiefer zum Wurzelchakra zurückzukehren – noch tiefer im Sein verwurzelt.

Anders herum können blockierte Chakren den zentralen Energiekanal „verstopfen“, so dass die Kundalini blockiert ist. Je aktiver unsere Chakren sind, desto stärker ist der Energiefluss in unserem Zentralkanal. Dies wird bei 01:05  bis 02:05 dieses Kinder-Zeichentrickfilms in einer Minute ziemlich anschaulich dargestellt:

Auch wenn der Film Geschmacksache ist, ist er recht informativ zum Thema Chakren, wobei ich manches etwas anders sehe.

 

Sushumna, Ida und Pingala mit ChakrenNeben dem Zentralkanal Sushumna liegen  Ida Nadi und Pingala Nadi. Ida ist der Energiekanal der links von Sushumna verläuft und mit dem linken Nasenloch und der rechten Gehirnhälfte verbundenn ist. Sie (also weiblich und Yin) wirkt auf die linke Körperhälfte, und symbolisiert den Mond und die weiblichen Kräfte wie Intuition, Gefühl und Hingabe. Pingala verläuft rechts von Sushumna, wirkt auf die rechte Körperhälfte und ist mit dem rechten Nasenloch und der linken Gehirnhälfte verbunden. Er (Yang) symbolisiert die Sonne, die männliche Kraft und steht für rationales Denken und Aktivität. In der Regel dominiert abwechselnd einer von beiden den Energiefluss, was sich auch daran zeigt, das ca. alle 1,5 Stunden ein Wechsel der Dominanz eines Nasenloches bei der Atmung stattfindet. Um die Energie durch den mittigen Zentralkanal Sushumna zu lenken, müssen Ida und Pingala ausgeglichen sein – so heisst es. Wir brauchen also das Gleichgewicht von Yin und Yang.
 

 

 

 

 

Die Verbindung mit Himmel und Erde

Energetisch setzt sich der Zentralkanal über unsere körperlichen Grenzen hinaus fort. Er verbindet uns mit dem Mittelpunkt der Erde und dem Mittelpunkt des Universums (zumindest kann man sich das vorstellen bzw. spüren – beweisen kann man es nicht). Die Energie der Erde strömt wellen- und spiralförmig durch unser Wurzelchakra (verbunden mit dem Beckenboden) und die Fußchakren in uns hinein, bewegt sich nach oben und aus dem Kronenchakra wieder hinaus. Die Energie der spirituellen Welt und des Universums strömt durch unser Kronenchakra und durch die Zirbeldrüse in uns hinein, fließt durch den Zentralkanal nach unten und aus dem Wurzelchakra weiter in die Erde.

 

Herzöffnung macht den Menschen aus

Als Mensch ist es uns in besonderer Weise möglich, in Verbindung mit den Kraftströmen aus Himmel und Erde unser Herz ganz weit zu öffnen. Wenn die Energie von unten aus der Erde und von oben aus dem Himmel in dich hineinströmt, kannst du dein Herz besonders weit öffnen und sie in Liebe in die Welt fließen lassen. So kannst du selbst die Erde zu einem liebenderen und lichtvolleren Ort machen. Das ist yogische Weltrettung. Dein Herz ist so groß und liebend, dem kann nichts passieren, egal wie weit du es öffnest – solange du nicht die Erdung und die Verbindung zum Kosmos verlierst. Mir ist es ein besonderes Anliegen, diese Verbindung herzustellen und zu stärken, wenn sie noch nicht da ist.

Eine gute Erdanbindung ist die Basis, um sich mit der Weite des Universums und der Tiefe des Herzens zu verbinden. Deswegen achte ich in meinen Seminaren auf besondere Wesie darauf – denn wir möchten ja möglichst tief gehen.
Auf die Wichtigkeit einer stabilen Verbindung zur Erde mit einem gut arbeitenden Wurzelchakra gehe ich auch in meinem Buch genauer ein (und wie du dahin kommst, lernst du ganz einfach mit der darin enthaltenen CD).

 

Erhöhter Energiefluss

Der Energiefluss im Zentralkanal kann mehr oder weniger stark sein und durch den Beckenboden (Mula Bandha), Yoga und Meditation verstärkt werden. Vor allem stärkt dein Bewusstsein für die Wirbelsäule und den energetischen Zentralkanal diesen Energiefluss. Die Forschungen von Eggetsberger am Wiener Institut für Biokybernetik und Biofeedbackforschung haben ergeben, dass es zwei Wege gibt, die Kundalini-Energie zu aktivieren: Die rhythmische Kontraktion des PC-Muskels (Beckenboden!) und die Visualisierung des Zentralkanals mit fokussierter bewusstser Ausrichtung des Geistes darauf. Dabei werden dann auch ungenutze Hirnareale aktiviert und die beiden Gehirnhälften arbeiten harmonisch gleichmäßig (Ida und Pingala sind dann im Gleichgewicht).
Die gerade und flexible Aufrichtung der Wirbelsäule in ihrer leichten Wellenform gewährleistet einen freien Energiefluss im Zentralkanal, der uns energetisch mit Himmel und Erde verbindet. Dies ist ein wesentlicher Grund für den aufrechten Sitz, den ich am Ende dieses Posts detailliert erkläre.

 

Kundalini

In Sushumna bewegt sich die sagenumwobene Kundalini-Energie.  Sie ruht im Wurzelchakra und steigt mit dem erwachenden Bewusstsein den Zentralkanal entlang nach oben durch die Chakren hindurch. Über diesen Prozess gibt es viele Vermutungen, Erfahrungen und Pseudo-Wissen. Einen guten Artikel von Dr. Georg Feuerstein zum Thema gibt es hier: “ Der Kundalini-Wahn“

Im Yoga geht es im Grunde darum, durchlässig für den Energiefluss im Zentralkanalkanal, in dem die Kundalini Shakti aufsteigt, zu werden. So durchlässig, dass du mit beiden Füßen energetisch fest in  der Erde verwurzelt bist (das hilft auch bei „Kundalini-Krisen“) und sich dein Geist hoch ins Universum weitet. Der Weg dorthin braucht einiges an Bewusstseinsarbeit, eine regelmäßige Yogapraxis (oder andere ganzheitliche Körperarbeit) und die Bereitschaft, loszulassen und zu vertrauen.  Ich möchte dir hier ein paar einfache Möglichkeiten zeigen, die dir helfen, den Energiefluss (ob es sich hierbei schon um die Kundalini handelt oder „nur“ um den Prana-Fluss zwischen Himmel und Erde, kann ich nicht wirklich sagen) im Zentralkanal zu stärken und dir seiner überhaupt bewusst zu werden.
 

 

Übungen zur Stärkung der Energie im Zentralkanal

 

Yoga für die Wirbelsäule:

Körperübungen bilden die Basis, ob als Vorbereitung oder für sich alleine genommen.

TriYoga ist meiner Meinung nach der beste Yogastil, um dein Bewusstsein für den Zentralkanal zu stärken, da hier die Wirbelsäule in meditativen, mit dem Atem verbundenen, wellenförmigen Bewegungen durch die Asanas bewegt wird.

  • Im Yoga legen wir viel Wert darauf, die Wirbelsäule jeden Tag in alle Richtungen zu bewegen. Warum wohl? Weil es deine Wirbelsäule inklusive Sushumna von Blockaden befreit!
  • Vor allem Drehungen wie Raja Matsyendrasana wirken positiv auf den Zentralkanal.
  • Der Fokus auf Sushumna in allen Asanas mit gerader Wirbelsäule verstärkt den Energiefluss. Zentriere die Energie bewusst in Sushumna (zum Beispiel in Raja Matsyendrasana!).

 

Meditationsübungen:

  • Werde dir deiner vertikalen Achse bewusst.
    Spüre deine Wirbelsäule und mache dir die Existenz deines Zentralkanals bewusst.
    Werde durchlässig für den Energiefluss von oben und unten. Spürst du so etwas wie eine Licht-Röhre in dir? Vielleicht fadendünn in der Mitte deiner Wirbelsäule (perfekt!) oder auch viel breiter. Vielleicht wirst du ganz umhüllt von dieser Lichtröhre. Im Grunde zeigt dir deine Wahrnehmung an, wie tief du in dir selbst zentriert bist oder wie sehr du dich an deiner Oberfläche bewegst. Und glaub mir, dass kann sehr unterschiedlich sein, je nach Tagesform. Aber je geübter du bist, desto schneller bringst du dich wieder in deine Mitte.
  • Variation: Stell dir vor, dass du durch diese Lichtröhre mit dem Mittelpunkt der Erde verbunden bist.
    Dann stell dir vor, wie du über deine Schädelkrone mit dem höchsten Punkt im Universum verbunden bist.
  • Die Kundalini-Licht-Meditation Nada Pasyanti von Kali Ray wirkt Wunder! Eine bildhafte Anleitung findest du hier. Eine gesprochene Anleitung (der 2. Stufe mit Beckenbodenkontraktionen) findest du auf der CD in meinem Buch „Beckenboden-Yoga„. Es gibt viele Stufen dieser Meditationstechnik, bei denen auch die Bandhas genutzt werden. Es ist eine wunderbare Übung, die dich in tiefe Meditation führen kann.
  • Blockaden im Zentralkanal löst du ganz wunderbar durch den Tanz der Shakti!
  • Wandere mit deinem Bewusstsein immer wieder den Zentralkanal vom Scheitelpunkt aus die Wirbelsäule hinunter und wieder hinauf. Dies ist die wichtigste Übung, die du in der Kriya-Yoga- Einweihung nach Paramahamsa Yogananda ( Autobiographie eines Yogi) lernst.
  • Wandere deine Chakren rauf und runter.

 

Pranayama:

  • Atme durch deine Wirbelsäule: Führe deinen Einatem von deiner Schädelkrone durch die Zirbeldrüse bis zum Beckenboden (lass ihn dabei ganz weit werden). Führe den Ausatem vom Beckenboden (der sich dabei leicht kontrahiert) durch die Wirbelsäule nach oben bis zur Schädelkrone.
  • Fortgeschrittene können Pratiloma Ujjayi Pranayama üben.
  • Sat Chakra Pranayama:
    Atme ein vom untersten Ende der Wirbelsäukle (Steißbein) durch Wurzelchkara, Sakralchakra, Solarplexuschakra, Herzchakra, Halschakra und Stirnchakra. Mit der Ausatmung wandere wieder die Chakren nach unten. 9 Runden, danach im Kronenchakra in Meditation verweilen.

 

Ich wünsche dir eine gute Anbindung und Zentrierung für dein Leben!

Namasté!

 

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