Meditieren geht nicht ohne liebevolle Achtsamkeit!

Wertfreies und liebevolles Wahrnehmen ist die hohe Kunst des Yoga, der Meditation und des ganzen Lebens.

In unserem Bemühen, Achtsamkeit zu praktizieren, schlüpfen wir ganz leicht in die Falle der Verurteilung, die recht tricky ist. Gerade unsere Unfähigkeit, nicht-zu-bewerten, bewerten wir wiederum als negativ und sind damit in die erste Falle jeder Meditationspraxis getappt.  Wir wünschen es uns halt anders und wären gerne immer achtsam, bewusst und gleichmütig- schlicht: erleuchtet – ist ja verständlich. Da braucht es eine gehörige Portion Selbstempathie und Selbstliebe, die wir unserem Erfolgswahn und unserer kulturellen Prägung entgegensetzen müssen.

Kommt dir bekannt vor? Dann lies weiter und erfahre, wie du eine “liebevolle Achtsamkeit” entwickelst. Was diese liebevolle Achtsamkeit genau ist und warum dieser Begriff wohl ganz im Sinne des Dalai Lamas wäre, verrate ich dir weiter unten in diesem Artikel. Vorher möchte ich generell die Begriffe von Achtsamkeit und Nicht-Bewerten in Theorie und Praxis verdeutlichen.

Nach Jon Kabatt-Zinn lautet die Definition von Achtsamkeit: absichtsvoll (bewusst), gegenwärtig (ganz im Hier und Jetzt) und nicht-wertend.
So weit klar und wunderbar, denn Achtsamkeit bringt uns ja bekannntlich Frieden und Glückseligkeit. Nun bringt aber unser Wunsch nach Achtsamkeit, Frieden, Glückseligkeit und damit einhergehend die Freiheit von ungeliebten Verhaltensmustern das oben genannte Problem mit sich: Meistens bewerten wir eben doch das, was uns im Weg steht. Zumal wir umso mehr “Fehler” erkennen, je bewusster wir werden.

Je mehr wir mit der Taschenlampe unseres Bewusstseins in die Dunkelheit unseres Kellers leuchten, desto mehr sehen wir auch das, was uns auf den ersten Blick nicht gefällt.  Das Dumme ist, das bei den Meisten dann der “innere Kritiker” loslegt und sehr viel verurteilt.

 

Die Kunst der wertfreien Wahrnehmung

Nicht-Bewerten ist die hohe Kunst jeder Meditationspraxis, Yogapraxis und natürlich auch der Asanapraxis (denn Asanas, Kriyas, Vinyasas und Flows sind nichts anderes als Meditation in Bewegung). Wertfreies Wahrnehmen bedeutet, die Dinge so zu sehen und anzuerkennen, wie sie sind, ohne Abneigungen (dvesha) oder Begierden (raga), in dem Bewusstsein, dass nichts bleibt wie es ist. Es erfordert einen hohen Grad an Klarheit und Unterscheidungskraft (viveka), um nicht den eingefahrenen Gedankenmustern, Schatten  und Projektionen zu erliegen. Bei allem, was wir tun, eine wertfreie Haltung einzunehmen ist also tatsächlich eine sehr hohe Kunst, die lange geübt werden will.

Wir sind einfach daran gewöhnt, bewertend zu denken. Oft fällt uns das noch nicht mal auf, so normal ist es. Bewusst wahrzunehmen was ist, ist ja schon ein Kunststück für sich, da es so viele Dinge gibt, die sich unserem Bewusstsein entziehen.

Wenn wir nun achtsamer werden, erkennen wir auch unsere ganzen nicht so wünschenswerten Eigenschaften und Verhaltensmuster und oft haben wir damit zu kämpfen. Warum es immer besser ist, nicht zu kämpfen, erfährst du übrigens auch in meinem Artikel Unfolding Love to life. Den Aspekt des Nicht-bewertens zu üben, wird dir helfen, das Glück im gegenwärtigen Augenblick zu finden. Das ist die herrliche Frucht der Achtsamkeitspraxis.

Jede Yogastunde und jede Meditation bietet dir eine wunderbare Möglichkeit, dieses Nicht-bewerten zu üben. Zum Beispiel die Meditation über die 4 Stufen der Bewusstheit.

Nachtrag: In der Tiefe erfahren kannst du diese Meditation mit unserer Meditations-Challenge.

 

Nicht-Bewerten in der Yoga-Gruppe

Nunja, in meinem Yogaunterricht erlebe ich öfter, wie die TeilnehmerInnen sich selbst und ihr “Können” negativ bewerten. Im Medien-Yoga-Hype erlebe ich hingegen das Gegenteil: Hippe YogiNis versuchen sich möglichst gut darzustellen. Beides sind im Grunde zwei Seiten einer Medaille und die Ursache liegt wohl bei beiden Extremen im mangelnden Selbstwertgefühl (und wo das herkommt, fragt sich eben nicht nur der Dalai Lama). Dazu möchte ich hier noch mal verdeutlichen, was eigentlich bekannt ist:

Yoga ist tatsächlich das Gegenteil von einer Wettkampf-Sportart. Hier sollte sich niemand beweisen und mit anderen Menschen konkurrieren müssen. Es ist überhaupt nicht hilfreich, dich  mit anderen zu vergleichen – nein, das macht uns alle nur unglücklich. Es geht vielmehr darum, dich selbst besser kennenzulernen und dadurch zu einer wahren Freiheit zu finden – und zwar auf allen Ebenen. Im westlichen Verständnis heißt das: körperlich, geistig, seelisch und spirituell.

Wo landest du aber, wenn du dich in der Yogastunde mit anderen vergleichst und dich selbst bewertest? Beim Unwesentlichen. Du verlierst dich in Äußerlichkeiten und kommst dir selbst kein Stück näher. Im Gegenteil. Du entfernst dich von deinem wahren Selbst, bist nicht mit dir im Kontakt. Du solltest also nicht deine Zeit damit verschwenden, zuzuschauen was die anderen machen.

Im Yoga geht es  in erster Linie darum,  zu dir selbst zu finden – und zur Quelle allen Seins. Es geht nicht um akrobatische Kunststücke, sondern um die Erfahrung deines grenzenlosen Geistes. Es geht nicht um Sport, sondern darum, deinen Körper zu ehren. Es geht auch nicht um ein Flüchten vor der äußeren Welt, sondern um das Entdecken deiner inneren Welten. Yoga kann dich darin unterstützen, Verantwortung für dich selbst zu übernehmen und herauszufinden, was wirklich wesentlich für dich ist. Du musst niemandem etwas beweisen, schon gar nicht im Yoga. Ob du nun die tollsten Asanas kannst oder nicht, ist völlig unwichtig. Wichtig ist, WIE du ein Asana einnimst, wie du dich darin erfährst, was es in dir befreit oder stärkt.

Yoga ist Achtsamkeit in Aktion! Die hohe Kunst des Yoga besteht darin, dein Herz zu öffnen, wahrhaftig wahr-zu-nehmen was ist und das wiederum nicht zu bewerten.

Die Yogastunde ist also dazu da, in einen tieferen Kontakt mit dir selbst zu kommen und bietet dir eine phantastische Gelegenheit, Achtsamkeit durch wertfreies Wahrnehmen zu üben. Du brauchst dich nur an die goldenen Regeln für achtsames Üben halten.
Im Idealfall eröffnet dein Yogalehrer dir einen weiten Raum der Stille in dem du dich selbst erfahren kannst und wo dich etwas ganz tief drinnen berührt. In dem du dir selbst ganz innig begegnen kannst.

 

Liebevolle Achtsamkeit ist der Schlüssel

Die Voraussetzung für diese innige Begegnung und Berührung mit deiner eigenen Essenz, ist eine liebevolle Achtsamkeit dir selbst gegenüber. Selbstliebe. Dazu musst du annehmen, was ist. Ohne Bewertung. Ohne Verdrängung. Ohne Opferbewusstsein. Ohne Vergleichen. So, wie du dein geliebtes Kind annimmst, egal was es tut. Mach dir bewusst, dass du nur durch Fehler lernst und dass das vollkommen in Ordnung ist. Sieh mit Vorfreude dein Potential, das du gerade dabei bist zu entfalten. Nur durch ausprobieren, hinfallen und wieder aufstehen lernt ein Kind laufen. Letztens habe ich irgendwo gelesen: Wenn ein Kind so denken würde wie die meisten Erwachsenen, würden wir fast alle im Rollstuhl sitzen.

Die Bewertung macht den Unterschied. Kinder kriegen keine schlechte Laune, wenn sie es nicht schaffen, beim ersten Mal stehen zu bleiben – nein, sie lachen und versuchen es voller Begeisterung immer wieder. Deine Bewertungen halten dich an der Oberfläche deiner Gedanken und verhindern eine tiefere Erfahrung und daraus resultierend auch das Erfolgserlebnis.

Dieses sich-selbst-Bewerten scheint übrigens ein typisch westliches Phänomen zu sein. Der Dalai Lama war auf einer Konferenz mit Psychologen erschüttert, als er erfuhr, dass es Menschen gibt, die sich selbst nicht mögen oder gar hassen. Menschen die sich selbst nicht wertschätzen? Für den Dalai Lama unverständlich, für uns leider ganz normal. In Tibet gibt es für so etwas noch nicht mal ein Wort. Vielleicht sollte der buddhistische Begriff Achtsamkeit  im Deutschen also grundsätzlich lieber mit “liebevoller Achtsamkeit” betitelt werden. Meint eben: Mit einer liebevollen Haltung sich selbst und anderen gegenüber. Mit bedingungsloser Liebe. Was uns einfach fehlt, ist Selbstmitgefühl und daraus resultierend auch Selbstwert. 

Übe dich darin, dich selbst zu erfahren ohne dich zu bewerten. Urteilslos wie ein Kind, dass die Welt entdeckt. Meditation hilft dir, das Nicht-Bewerten zu üben. Die Asanapraxis bietet dir ein gutes Übungsfeld mit vielen Herausforderungen. Und der Alltag fordert dich heraus, das Erkannte anzuwenden.

Das ist ein Prozess. Der kann am Anfang recht niederschmetternd sein – weil du dir, wie gesagt,  überhaupt erst bewusst wirst, wie viel du dich bewertest und was das mit dir macht. Deswegen denke immer an das oberste Gebot: Bleib liebevoll mit dir! Übe dich in Selbstempathie. Dann beginne, den Kreislauf deiner Bewertungen zu stoppen. Immer wieder gewahr werden und stoppen. Dann wird das Rad langsam auslaufen. Langsam. Das wird sicher Jahre dauern. Du hast das Rad deiner Bewertungen schließlich jahrelang angeschwungen. Aber ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen: Es wird immer besser und das ganze Leben wird immer schöner.

 Liebevolle Achtsamkeit konkret:

  • Begegne all dem, was ist, mit einer liebevollen Haltung. Begegne deinem Leben mit Liebe. Eine liebevolle Haltung schließt allen Schmerz, alle Trauer und alle Unzulänglichkeiten in das Feld der Liebe mit ein. Es geht nur darum, erst mal anzuerkennen, was ist. Schenke dir selbst und deinen Mitmenschen bedingungslose Liebe und habe Mitgefühl mit dir selbst.  Im Artikel Open your heart for life beschreibe ich, wie Yoga dich darin unterstützen kann, dein Herz zu öffnen.
  • Stoppe alle bewertenden und verurteilenden Gedanken. Werde dir deiner wertenden Gedankenmuster bewusst und ersetze sie durch wertfreie Gedanken. Du solltest deine Absicht, wertfrei zu denken und mit offenem Herzen wahrzunehmen, wirklich bekräftigen.
  • Sei bewusst im gegenwärtigen Moment. Nimm einfach nur wahr. Spüre, sehe und fühle alles was sich dir zeigt, ohne die Filter deines Verstandes. Tauche ein in die sinnliche Wahrnehmung bei dem, was du tust.

Letztendlich geht es  darum, die hohe Kunst des Yoga bzw. der liebevollen Achtsamkeit als Lebenskunst zu verinnerlichen und 24 Stunden am Tag Yoga zu üben. Natürlich mit Freude und Spaß, nicht mit Dogma und Enge. Sonst würdest du ja nur wieder den bewertenden Gedanken auf den Leim gehen. Denn deine bewertenden Gedanken sind es, die dich eng und unglücklich machen.

Genieße dein Leben! Genieße dein Yoga! Genieße dich!

Namasté!

 

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